Trendforschung – Trendscouts – Was und Wer steckt dahinter?

Heute beschäftige ich mit Trendforschung und Trendscouts, was es bedeutet, was die sogenannten Trendscouts machen, wie sie arbeiten und auch wie mancher Trend entsteht.
Wie ich in meinem Artikel „Trends – ein Ausflug in den Minimalismus“ beschrieben hatte, sind Trends gesellschaftliche Strömungen. Wirkliche Trends  entstehen nicht von außen, wie typische Marketing Maßnahmen für ein Produkt, eine Farbe, Form oder ähnliches, es geht viel weiter und tiefer. Bei nachhaltigen Trends geht es um eine gesellschaftliche Haltung, die sich entwickelt. Daraus lässt sich schließen, dass große Trends, sogenannte Megatrends, Zeit brauchen, um sich von der kleinen Knospe erster Versuche bis hin zum voll erblühten Blumenstrauß zu entwickeln. Dies kann mehrere Jahrzente andauern.
 
Um Trendscout zu werden benötigt man daher nicht nur eine Ausbildung in Bereichen wie Design, Kunst, Architektur, Philosophie oder ähnliches sondern auch ein sehr gutes Gespür und mentale Offenheit für neue Entwicklungen. 
 
Zwei sehr energiegeladene Menschen mit offenem Blick durfte ich kennenlernen: Steven van der Kruit und Li Edelkoort.
Mein Weg mein eigenes Label Stilgewandt zu gründen stand nicht von Anfang an meiner beruflichen Laufbahn im Fokus, jedoch haben mich Trends und ihr Ursprung schon immer fasziniert. In meiner Tätigkeit als Projektmanager für das Dufthaus Firmenich – 20% aller Düfte für Parfums, Shampoos, Duschgels uvm. wird von Firmenich entwickelt – hatte ich die fantastische Gelegenheit bei einem Trendwalk von Steven van der Kruit teilzunehmen. Er ist einer der bekanntesten internationalen Trendforscher und hat lange als Berater für Firmenich und andere Unternehmen gearbeitet. Das Besondere an seiner Form der Trendforschung ist, dass er seine Entdeckungen bei Trendwalks (Spaziergängen) macht. Dabei findet er ungewöhnliche Graffiti, Architektur, Mode und mehr und fotografiert sie. Mithilfe von Bildsoftware analysiert er die Fotos und trifft auf dieser Basis seine Vorhersagen. 
 
Steven ist der Auffassung, dass 80% aller Innovationen und Trends aus 12 Metropolen stammen – wie New York, London, Amsterdam, Los Angeles, Barcelona, Tokyo, Seoul, Bangkok, Hongkong, Istanbul, Rio de Janeiro oder Sao Paolo. Mir fehlt in dieser Auflistung Peking. Dort habe ich beispielsweise architektonische Meisterleistungen gesehen. 
Bei einer seiner Trendpräsentationen in 2009 hatte ich ebenfalls die Chance dabei zu sein. Ich sah eine Unmenge an Fotos von Graffitis, Mode, Kunst, Architektur und andere Motive. Er zeigte uns wie er sie nach Farben, Themen, Orten sortierte, Zusammenhänge aufzeigte und schließlich aus dieser Fülle an Informationen die verwandten Schwerpunkte herausfilterte und in diesem Fall unter anderem die Farbe Türkis als dominantes Element herauskam. 
In 2010 nominierte Pantone LLC Türkis als Trendfarbe. Pantone ist der größte Anbieter in der Farbkommunikation für die Grafik- und Designbranche sowie Textil- und Kunststoffindustrie.

 

Dies ist ein greifbares Beispiel wie Trendforschung funktionieren kann. 
Mit seiner Methode betrachtet Steven die Trends der nächsten 4-5 Jahre, berät Unternehmen aus vielen Branchen bei ihrer Marketing-Positionierung. Die Form von Marketing wie es heute praktiziert wird bleibt aus seiner Sicht sehr an der Oberfläche: die meisten Marketers gehen nicht raus, verlassen nicht ihr Büro. Die Kommunikationsstrategien lassen die Lebendigkeit und Schnelligkeit der Straße außen vor. Stattdessen stehen Instagram, Youtube und Facebook im Focus. Die sozialen Medien werden analysiert, darauf basierend Marketingkonzepte erstellt und umgesetzt. Alle tun dies. Es entsteht ein Einheitsbrei, die unterschiedlichen Brands sind kaum noch zu unterscheiden. Alles wirkt gleich, auf Massenkonsum ausgerichtet.  
 
Hier in dem Video gibt Steven van der Kruit Einblick in seine Arbeit und Erkenntnisse: https://www.youtube.com/watch?v=L9CeAJincI8 

Eine Stilikone ist Li Edelkoort und eine echte Größe im Trendgeschäft. Seit 35 Jahren gilt sie als Pionierin der Trendforschung mit Blick in die Zukunft.

Seit den Siebzigern  unterstützt  Li Edelkoort  Unternehmen wie Siemens, Estée Lauder oder Gucci bei der Produktentwicklung. Ihre Einschätzung zukünftiger Trends basiert auf ihren Reisen durch die Welt. Sie beobachtet und analysiert soziokulturelle Trends. Intuition ist ihr Zauberwort – jahrelang geschult, neugierig bleibend mit offenem Geist. Zweimal pro Jahr veröffentlicht Li Edelkoorts Firma Trendbücher, die Trendprognosen der nächsten zwei Jahre abgeben. Sie zeigen Analysen, Schlüsselwörter, Fotografien sowie Stoff- und Farb­muster. 
 
Trendforschung ist keine exakte Wissenschaft. Es geht vielmehr darum, herauszufinden bzw. vorherzusagen wie unser Leben in Zukunft aus­sehen wird, welche Wünsche und Bedürfnisse wir haben und natürlich wie ein Produkt sein sollte, um erfolgreich vermarktet werden zu können.
 Li Edelkoort untersucht die feinsten Strömungen im sozialen und kulturellen Umfeld. Dabei baut sie auf ihre Intuition, ihre unvergleichliche Beobachtungsgabe und ihren ana­ly­tischen Sinn. Sie beobachtet insbesondere die Konsumenten, die frühzeitig Neues ausprobieren, anziehen oder ausleben, was bei der breiten Masse noch nicht angekommen ist.
 
Letztes Jahr gab Li Edelkoort dem Magazin Iconist (Welt am Sonntag) ein Interview in der sie anschaulich über die zukünftige Entwicklung der Mode und Lifestyle Aufschluss gibt. So ist sie der Überzeugung, dass die Mode eine Renaissance benötigt: 
die Textilproduktion, die Vermarktung, der Verkauf müssen überarbeitet werden, um die Modebegeisterung zurück zu gewinnen. Das Thema Nachhaltigkeit in Form von Verarbeiten recycelter Materialien ist ein Schlüsselthema für die Ausrichtung der Mode. So ist sie der Meinung, dass es schon spürbar ist, dass Kleidungsstücke  Wert zurück gewinnen und Lifestyle und Moods in den Hintergrund treten.
 
Das gesamte Interview mit Li Edelkoort könnt ihr hier lesen: 
 
Mein ganz persönliches Resümee zum Thema Trendforschung: es gibt die sehr sichtbaren und zum Teil kurzfristigen Strömungen, wie eine bestimmte Farbe oder ein Schnitt. Die Kunst ist die langanhaltenden und nachhaltigen Neigungen zu erkennen und greifbar zu machen.
 
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Habt ihr Ideen, Anmerkungen, Wünsche, Ergänzungen? Ich freue mich über Feedback in den Kommentaren.

Introduction: 2. ELÄMÄ – Upcycling of bike tubes

Just wandering around the fairgrounds of Tendence in Frankfurt I also visited the area Ecostyle, so anything which is being produced and designed under fair conditions. One small booth attracted my attention: it was showing jewelry all in black. When getting closer I saw that it was made out of rubber material in combination with metal and immediately recognized it: all jewelry was manufactured of recycled bike tubes.
I spoke to Jaime de Vizcaya, the designer, who introduced his brand „2. ELÄMÄ“ to me. It is all about Upcycling – giving a 2nd life to worn out products, still keeping addicted to nice designs. And it is about responsibility towards environment – sustainable materials. Bike tubes are made of rubber and very elastic. Therefore, a fine and flexible material usable for various things – in this case especially for jewelry. The brand originally is from Finland. Frankfurt is their platform to expand 2. ELÄMÄ on international level.
Cross fingers! I love this special jewelry!
Take a look…

Crotch Hosen – der letzte Schrei?

Modebewusste Frauen und Männer sind sicherlich firm mit den spezifischen Begrifflichkeiten aus der Modewelt. Ich dachte ich sei auch modebewusst, doch tatsächlich ist der Begriff Crotch Hose bisher an mir vorbeigegangen. Kennen Sie diese Hosen, die hüftig sitzen, mit tiefem Schritt, weit am Po und zu den Waden hin enger zulaufend ? Das sind sie: Crotch Hosen oder auch Haremshosen. Sie gibt es in vielen Styles: im Jeans Look, mit Knöpfen oder Reißverschluss, elegant und lässig, für jede Frau ist etwas dabei, WENN sie diesen Stil an sich mag und sich wohl darin fühlt. Für viele Frauen eine cooles Designstück, bequem, lässig, der letzte Schrei. Für einen Großteil der Herrenwelt ein wahrer Alptraum. Mann behauptet, diese Hose sei unvorteilhaft. Mann sieht gar nicht die weiblichen Reize. Sie verunstalten den weiblichen Körper. Diese und ähnliche mehr oder weniger qualifizierten Kommentare habe ich bereits über mich ergehen lassen. Sei es drum: ich liebe diese Hosen, ob als Jeans mit Sneakers im Boyfriend Look oder als Stoffhose mit Highheels im Businesslook. Sie sind bequem, sehen meiner Meinung nach super aus und können auch kleinere, ich nenne sie liebevoll, figurliche Unebenheiten kaschieren.

Übrigens, Crotch Hosen gibt es auch für Männer!! Sehen Sie selbst.

Wie gefallen Ihnen Crotch-Hosen?